Samstag, 8. März 2008

Das russische Ausnahme-Postamt

„Interkulturelle Kompetenz“ scheint sehr wichtig zu sein in Zeiten der Globalisierung und mittlerweile gehört sie als „Stärke“ bereits in jedes Bewerbungsschreiben. Doch was bedeutet eigentlich diese „Interkulturelle Kompetenz“ - speziell in Bezug zu Russland?
Bedeutet sie, dass man lernt, 100 Gramm Wodka auf Ex zu trinken, bei -30 Grad Eis zu essen oder als Frau in Absatzschuhen zu laufen. Oder dass man zumindest anfängt, die Frauen, welche sich mühelos mit 10cm hohen „Mordinstrumenten“ durch den Schnee pieksen, zu bestaunen? Vielleicht auch, bei der prachtvollen Wahl der „Miss Universität“ weniger Ironie und mehr Begeisterung zu zeigen. Aber das ist bereits Anpassung.
Akzeptanz ist wohl der erste Schritt und sie bedeutet für mich, in Russland nicht die Dinge zu erwarten, die man in Deutschland vorfindet oder auch verstehen zu lernen, dass gleiche Dinge nicht immer gleich sein müssen, sondern sehr verschieden sein können. Ponjali?

Ein einfaches Beispiel ist das Postamt. In einem Gebäude, das mit dem Schild „Post“ wirbt, erwartet man allgemeine Dienstleistungen, die Postämter gewöhnlich anbieten, vor allem anderen den Service des Briefversands. Im Normalfall gibt es diesen Service auch in russischen Postämtern, aber nicht in allen. Und diese nicht gekennzeichneten „Ausnahme-Postämter“ sind dann richtige Ausnahmen, wie die kleine Post in Wyhino gegenüber dem Einkaufszentrum Enthusiast. Sie verkaufen dort weder Umschläge, noch versenden sie Briefe. Dafür besitzen sie einen Wellensittich. Ob der meinen Brief nicht nach Deutschland fliegen kann, habe ich leider nicht gefragt. Und warum sie keine Umschläge haben, wenn sie doch Postkarten, Glückwunschkarten und wahrscheinlich auch Kalender und Luftballons verkaufen, getraute ich mich nicht zu fragen. Briefe versenden sie „gerade“ nicht, weil ihre Maschine kaputt ist, die die Quittung abstempelt, welche man bekommen würde, wenn man einen Brief aufgibt. Ich will doch aber gar keine Quittung. Egal. Dafür gibt es wenigstens Briefmarken. Und zwar ganz viele und ganz kleine. Und die wollte ich dann, hatte ich doch glücklicherweise am nächsten Kiosk noch einen einfachen weißen A4 Umschlag bekommen. Aber natürlich geht auch das mit den Briefmarken nicht so einfach in einem „Ausnahme-Postamt“. Obwohl sonst auch Briefe in diesem Postamt verschickt werden, wusste niemand, wie viele von diesen kleinen Marken auf einen Umschlag nach Deutschland mit 130 g Inhalt zu kleben sind. Diese Information einzuholen dauerte beeindruckende 5 Minuten, in denen die bereits ein wenig genervte Dame von einem Büro zum anderen lief. Fast so, wie der Wellensittich beim Wechsel seiner Position im Käfig. Den beobachtete ich derweil und fragte mich, ob es einen Unterschied zwischen deutschen und russischen Wellensittichen oder zumindest so etwas wie eine deutsche bzw. russische Sozialisation derselben gäbe. Eine wirklich annehmbare Antwort fand ich nicht, aber da kam auch schon die Postfrau und teilte mir mit, dass ein Brief nach Deutschland als „Obytschnoi Banderol“ (so was wie Normaltarif) 45 Rubel kosten würde. Nachdem ich nickte, begann die Frau nicht gerade emsig die kleinwertigen Briefmarken auf den glücklicherweise großen Umschlag zu kleben. Währenddessen fragte ich sie, ob der Brief dann mit dem Zug versandt werden würde, worauf sie andauernd wiederholte, dass es ein „Obytschnoi Banderol“ sei. Meine zwei Jahre Russland-Erfahrung (interkulturelle Kompetenz?) haben mich gelehrt, nicht sofort aufzugeben und so hakte ich nach, was denn ein Luftpostbrief kosten würde. Dabei blickte ich doch ein wenig ängstlich auf meinen ehemals sehr weißen Umschlag und seiner neuen postalischen Verzierung. Gleichgültig wurde mir erwidert, das wisse man nicht und der Wellensittich piepte unterstützend. Also doch russisch sozialisiert. Meine Frage, ob man diese Information nicht besorgen könnte, stellte ich schon etwas zögerlich und war froh, dass der Käfig nicht geöffnet war und mich ein Tresen von der Postfrau trennte. Aber…sie ging und blieb…nicht ganz so lange wie beim ersten Mal. Dann kam sie, klebte weiter und sagte schließlich „70“.
Erleichtert atmete ich auf und wartete geduldig auf das Ende des Briefmarkenkleberituals.

Plötzlich wurde es wieder freundlicher im Raum und der Wellensittich sprang munter von einer Stange zur anderen. Dann folgte jedoch etwas Unerwartetes. Das Postamt konnte doch Briefe versenden, zumindest dem Anschein nach, denn die Postfrau bot mir plötzlich diesen Service an. Trotz Erfolg blieb Unsicherheit….Bedeutet in diesem Moment „Interkulturelle Kompetenz“ zu glauben, dass der Brief wirklich abgeschickt wird oder daran zu zweifeln? Oder habe ich bereits versagt, als ich das anfängliche „Nein“ nicht akzeptieren wollte?
Ich werde noch einmal darüber schlafen, bin aber erleichtert, dass es neben der Post heutzutage den Emailtransport gibt. Auf diesem virtuellen Weg ist meine Bewerbung nämlich bereits um einiges schneller und kostengünstiger beim Empfänger eingetroffen. Nur ist der Prozess des Verschickens nicht halb so interessant wie der Besuch eines „Ausnahme-Postamts“.

Freunde in Moskau

Hier werde ich immer mal wieder aktualisieren...und neue Bilder einfügen, insofern es welche zu ergänzen gibt.

Ganz wichtig ist als erstes ein Foto von Friderike, die sich beschwerte, dass sie nur im Nachtanzug auf meinem Blog erscheint. Und dann noch mit Toilettenpapier in der Hand. Hier also Friderike ganz ordentlich.... Ist das o.k. so, Frieda?

Wahl "Miss Universität 2008"

"Schönheit der Univerisität 2008" (für alle ohne Russischkenntnisse)

Hallo.
Am 5. März hatte unsere Gruppe das Glück, an einer Miss-Wahl teilzunehmen, bei der die schönste Studentin der Moskauer Humanistischen Universität gewählt und mit einer Krone sowie einem unverpackten DVD-Player geehrt wurde...abgesehen natürlich von der Ehre an sich....
Das Ereignis war ein großes Spektakel und fand im gefüllten Konzertsaal der Universität statt.
Die an der Decke in einem Netz hängenden Luftballonmassen bereiteten uns vorher imaginär auf das vor, was kommen sollte. Und wir haben nicht zuviel erwartet, eher zuwenig - die Dauer der Veranstaltung betreffend.
Nachdem sich die 12 Schönsten der Universität in einem ersten kosmischen Kostüm präsentierten - das Thema der Veranstaltung lautete "Der Kosmos" - zeigten sie ihre echten Qualitäten bei Tanz, Schauspiel, Gesang und Poesie. Es folgten recht schrille, bunte und vor allem lustige Auftritte. Aber das reicht noch nicht für den Preis. Denn die Schönheiten der Universität sind nicht einfach nur schön, sondern dazu auch gebildet! Deshalb durften sie im Anschluss in ihrem dritten Kostüm des Abends und mit wieder anderer Beleuchtung ihre Gedanken zum Thema "Kosmos" schweifen lassen. Leider hatte manches Schweifen eine recht steife Anmutung, aber gut. Nobody is perfect...und ich möchte nicht dort auf der Bühne gestanden haben (abgesehen davon, dass ich es wahrscheinlich nicht einmal hinauf geschafft hätte) Nach etwa zwei Stunden hatten alle 12 Gazellen ihre Schokoladenseiten gezeigt und die Juri durfte wählen gehen....zehn Minuten, zwanzig, dreißig.... Nachdem etwa 3 junge Sängerin, 4 Tanzgruppen und weitere Lücken-Highlights das Publikum am Einschlafen hinderte, kamen die Entscheider endlich wieder aus ihrem Kämmerlein. (Ob es auch Bestechungen bei Schönheitswettbewerben gibt?) Und nun hatte das Festival seinen Höhepunkt. Alle dauerlächelnden Krasawizas erhielten erst einmal eine Schlerpe und natürlich Sponsorengeschenke, vom Handy über ein Gemälde (diese Beschenkte sah nicht glücklich aus) bis zur Digitalkamera. Und als damit wieder etwa 20 Minuten glamourös verbracht wurden, verkündete der Rektor ENDLICH das Ergebnis. Gewählt wurde eine Cleopatra ähnliche Schönheit, die wahrscheinlich durch ihre Tangodarbietung bestach ....der mich jedoch nicht wirklich überzeugte. Als Krönung der Gekrönten nahm der Rektor das Mikrophon an den Mund und sprach: "Wenn ich eine Schönheit vor mir habe, sage ich meist ein Gedicht auf, aber bei so viel Schönheiten werde ich ein Lied singen" Und er sang. Wirklich! Der Direktor fing auf der Bühne an, irgendein "Heimat Russland Lied" zu singen. Das würde es in Deutschland nicht geben. Aber die ganze Veranstaltung würde es in Deutschland nicht geben. Wahl der "Miss Humboldt-Universität" - finanziert und organisiert durch die Universität. Das wäre wirklich lustig, aber aufgrund der zahlreichen Studentenproteste wahrscheinlich unmöglich. Dafür gäbe es in einer deutschen Universität eine Konferenz zum Thema "Genderproblematik in der Gesellschaft". Das ist zwar nicht ganz so "schön", aber wenigstens informativ. Andere Länder, andere Sitten!
So, und nun ein paar fotografische Eindrücke. Den Rest gibts in der Diashow links.


Das sind wir...noch gespannt und ein wenig skeptisch

Eine der ersten Nummern...die Geschichte der "Unschuldigen"...

...hinter der sich eine "Heisse Katze" verbirgt. Beliebtes Thema.

Da hatte sie dann kaum noch eine Chance. Aber sie war unser Favorit.
Hatte sie doch vorher einen Dschungel-Tanz aufgeführt.

Warum nur der Blumentopf? Wahrscheinlich, weil eine Tulpe
1,2o Euro kostet und ein Topf länger hält. Wie klug.

Kosmische Liebe, kosmische Leidenschaft, kosmisches Blablabla

bei so viel Kosmos muss man selbst gähnen

der glückliche Rektor und seine Krasawizas

Was macht er denn nun? Gut aussehen muss eben gelernt sein.

Unsere Wohnheim-Olga....singt. Das war eine Überraschung...

...besonders in diesem Kleid. Außerdem lernt sie noch arabisch.

Tja, bei soviel Schöheit wird einem ganz schwindelig.

Wer sie war, hab ich vergessen. Sie gehörte zu den
Highlights der Lücken-Highlights

Endlich mal eine richtige Schönheit...aber nur beim Begleitprogramm